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Chronik Preisverleihungen


Hier finden Sie Informationen zu den vergangenen Preisverleihungen:

Verleihung 2019 an Dr. Hannelore Vogt

Begrüßungsrede der Oberbürgermeisterin
Begrüßungsrede der BID-Präsidentin
Laudatio im Wortlaut
Dank der Preisträgerin
Bildpräsentation der Stadtbibliothek Köln
Video-Zusammenschnitt des gesamten Abends
Pressemitteilung zur Preisverleihung 2019
Mitglieder der Jury 2019

Dr. Hannelore Vogt wurde am 31. Oktober 2019 in der Stadtbibliothek Köln mit der Karl-Preusker-Medaille ausgezeichnet. Der Bundesverband BID würdigte mit einem Festakt das herausragende Engagement der Bibliotheksdirektorin, die durch ihre unkonventionellen Denkansätze der gesamten deutschen Bibliotheksszene wichtige Impulse verliehen hat. Die Laudatio hielt der Intendant der Kölner Philharmonie, Louwrens Langevoort.

Begrüßungsrede von OB Henriette Reker
Foto: 2019 / Babett Hartmann

 

Oberbürgermeisterin Henriette Reker sprach in ihrer Begrüßungsrede mit Begeisterung von der Kölner Stadtbibliothek, die ein sehr lebendiger Ort in der Stadtgesellschaft sei. Die Bibliothek sei wie ihre Direktorin eine echte "Pionierin" in der Kölner Kulturarbeit, die viel Richtungsweisendes angestoßen und dadurch die ganze Stadt inspiriert habe. So wurde 2013 in Köln der erste Makerspace bundesweit in einer Bibliothek eingerichtet und in den Jahren danach das erste MINT-Festival in Deutschland etabliert. Mit ihrer Leidenschaft für den Beruf und ihrem engagierten Team habe sie auch die Bibliothek in die "Veedel" gebracht. Auch dort gebe es dynamische Stadtteilbibliotheken, allen voran die in diesem Jahr wiedereröffnete Bibliothek in Köln-Kalk.

 

Louwrens Langevoort hält die Laudatio
Foto: 2019 / Babett Hartmann 

Dieses Beispiel eines modernen Bibliotheksstandortes würdigte auch Louwrens Langevoort in seiner Laudatio. Zusammen mit dem niederländischen Architekten Aat Vos und der Bibliotheks-Consultant Julia Bergmann sei in Kalk ein neues Bibliothekskonzept unter Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer entwickelt worden. Sozialräumliche Analysen und Nutzerbefragungen gingen in den "Design Thinking Process" ein, aus dem sich das Profil für die neue, ungewöhnliche Bibliothek entwickelte.

Enstanden ist ein attraktives Haus mit vielen "Zimmern", so werden die individuell gestalteten, auf verschiedene Nutzungsformen zugeschnittenen Bereiche ganz schlicht genannt. Neben Wohn- und Kinderzimmer gibt es ein Studierzimmer, in dem in Ruhe und konzentriert einzeln und gemeinsam gearbeitet werden kann.
Den Jugendlichen ist gleich eine ganze Etage gewidmet: Es gibt einen stationären und mobilen „Makerspace" mit modernsten Virtual Reality Brillen und einer Gaming-Ausstattung  sowie einen von der weltweit arbeitenden Künstlergruppe Urban Screen eigens für Köln entwickelten interaktiven Großbildschirm. Diese elektronische Tagtool-Wall bietet einzigartige Möglichkeiten des Experimentierens – hier können Jugendliche mit Tablets gleichzeitig und gemeinsam an großflächigen Graphiken, Graffitis und Animationen arbeiten und diese abspeichern. 

Zu einem Ort des Wohlfühlens werde die großzügig angelegte Bibliothek aber erst durch die Aufmerksamkeit der Mitarbeitenden, die den Besuchern ihre Wünsche von den Gesichtern abzulesen scheinen. Menschen aller Kulturen werden so schnell aufgenommen in den Kreis des Lesens, Wissens und Entdeckens.
Durch Hannelore Vogts Wirken sei die Bibliothek in der "Mitte der Stadtgesellschaft" angekommen, so Langevoort. Er gratulierte der Preisträgerin aufs Herzlichste und betonte die Medaille sei "eine Würdigung deiner grenzenlosen Energie, mit der du in der großen Welt und für die Stadt Köln deine Ideen realisiert hast."

Dr. Sabine Homilius und Dr. Hannelore Vogt bei der Preisverleihung
Foto: 2019 / Babett Hartmann

Dr. Sabine Homilius überreichte die Medaille, die, wenn es sie noch nicht gäbe, für Hannelore Vogt erfunden hätte werden müssen, so die Präsidentin. Aus dem Werk Preuskers zitierte sie bereits in ihrer Begrüßung verschiedene Stellen, die uns heute sehr modern anmuten, wie seine Betrachtungen zur Mitarbeiterführung und zur Bedeutung der Bildung.

In ihrer Dankesrede gab Hannelore Vogt ihrer riesigen Freude über die Auszeichnung Ausdruck und auch über die Laudatio von Louwrens Langevoort, mit dem sie nicht zuletzt das Engagement für Köln verbinde. Sie dankte allen ihren Kolleginnen und Kollegen, ohne die sie und die Bibliothek heute nicht da stünden, wo sie jetzt angekommen seien.

 

Dr. Hannelore Vogt bei ihrer Dankesrede
Foto: 2019 / Babett Hartmann 

Gerade in Zeiten von Fake News und Klimaprotesten komme den Bibliotheken als Wissensvermittlern wegweisende Bedeutung zu. Ein positiver Trend sei, dass sich immer mehr Ehrenamtliche in der Kölner Stadtbibliothek engagierten, mittlerweile genauso viele wie hauptamtlich Beschäftigte. Auch wenn sich die Rolle von Bibliotheken geändert habe, so sei ihre Grundaufgabe nach den Worten Hannelore Vogts seit den Zeiten Preuskers gleich geblieben: Sie ermöglichen Zugang zur Bildung, heute nicht mehr nur über das Buch, sondern verstärkt auch über andere Medien und durch Vermittlung von digitaler Kompetenz.

Bibliotheken müssten „groß denken und bereit sein, ganz neue Lösungen zu entwickeln“. Mit entsprechendem Erfindergeist werde die Bibliothek auch weiterhin neue Wege beschreiten und nach den Sternen greifen, so die abschließenden Worte der Preisträgerin.

Musikalisch wurde die sehr gut besuchte Festveranstaltung vom Astor Trio des Kölner Klassik Ensembles begleitet, das eine interessante Mischung von George Gershwin, Johann Sebastian Bach und Astor Piazzolla zum „Einklang“ brachte. 

Das Astor Trio des Kölner Klassik Ensembles
Foto: 2019 / Babett Hartmann 

Verleihung 2018 an die Allianz der Wissenschaftsorganisationen

Grußwort von Prof. Dr. Andreas Degkwitz
Laudatio von Prof. Dr. Ulrich Pöschl
Rede von Prof. Dr. Dr. h. c. Horst Hippler
BID-Pressemitteilung zur Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2018
Mitglieder der Jury 2018

Bei einem Festakt am 14. November 2018 im Auditorium des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums in Berlin wurde die Allianz der Wissenschaftsorganisationen mit der Karl-Preusker-Medaille ausgezeichnet.
Bibliothek und Information Deutschland würdigte damit das herausragende Engagement der Allianz für die Entwicklung einer modernen Bibliotheksinfrastruktur.
Stellvertretend für alle Mitglieder des Wissenschaftsverbundes nahm Prof Dr. Dr. h. c. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz a. D und Sprecher des Projektlenkungsausschusses DEAL, die Medaille entgegen. 

Preisverleihung 2018
Foto: 2018 / Katrin Neuhauser 

Der Verbund der bedeutendsten Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen in Deutschland widmet sich seit 2008 mit seiner Schwerpunktinitiative „Digitale Information“ der Verbesserung des wissenschaftlichen Informationsaustausches. Die Allianz habe dabei eine "äußerst erfolgreiche Wirksamkeit entfaltet" und sei ein "großer Glücksfall" für die Wissenschaft und die wissenschaftliche Infrastruktur in Deutschland, so Prof. Dr. Andreas Degkwitz in seiner Begrüßung als Hausherr des Grimm-Zentrums. Die Allianz habe wichtige Entwicklungsperspektiven angesichts der Herausforderungen durch die Digitalisierung in Forschung, Lehre und Studium aufgezeigt und dabei immer wieder auf die zentrale Rolle der Bibliotheken für diese Entwicklung hingewiesen.

 

Prof. Dr. Ulrich Pöschl, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, stellte zu Beginn seiner Laudatio eine Parallele her zwischen dem Namensgeber der Medaille, Karl Benjamin Preusker, der als Pionier des Bibliothekswesens bereits vor knapp 200 Jahren Wissen und Bildung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen wollte, und der Allianz der Wissenschaftsorganisationen, die heutzutage den freien Zugang zu wissenschaftlicher Information befördern möchte, was letztendlich auch dem gesamtgesellschaftlichen Wohlergehen diene. 

Laudatio von Prof. Dr. Ulrich Pöschl
Foto: 2018 / Katrin Neuhauser 

Der Laudator, der sich selbst seit vielen Jahren für Open Access engagiert, skizzierte die Entwicklung der Open Access Bewegung seit der Berliner Erklärung von 2003 bis hin zur OA2020 Initiative, für die auf nationaler Ebene ebenfalls die Schwerpunktinitiative der Allianz verantwortlich ist. Dabei gehe es u. a. um Nachhaltigkeit, Nutzbarkeit, Effizienz und Kostentransparenz von Publikationsinfrastrukturen. Die subskriptionsbasierten Zugangsmodelle der Verlage müssten umgestellt werden auf Open Access Modelle in einem offenen und wissenschaftsgerechten Publikationsdienstleistungsmarkt. Ziel der aktuellen DEAL-Verhandlungen sei es daher, diese Transformation durch sog. "Publish & Read"-Vereinbarungen möglichst kostenneutral zu gestalten.

Professor Pöschl zeigte sich überzeugt, dass Professor Hippler und sein Team auch weiterhin entschlossen für die Interessen der Wissenschaft und damit auch der Öffentlichkeit eintreten werden.

 

Auch für die Entscheidung der Jury, so BID-Präsident Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen bei der Übergabe der Medaille, habe das Engagement der Allianz beim Abschluss bundesweiter Lizenzverträge für das gesamte Portfolio elektronischer Zeitschriften im Projekt DEAL eine wichtige Rolle gespielt. Dieses Engagement sei vor allem der Initiative und dem ambitionierten Verhandeln Professor Hipplers zu verdanken, der die Medaille zu Recht für die Allianz entgegen nehme.

Dankesrede Prof. Dr. Dr. h. c. Horst Hippler
Foto: 2018 / Katrin Neuhauser 

Professor Hippler bedankte sich im Namen der Allianz für die Auszeichnung und wies in seiner Rede auf den tiefgreifenden Umbruch durch die Digitalisierung hin, von dem das wissenschaftliche Publikationswesen in ganz besonderem Maße erfasst sei.
In den Schwerpunkt-Projekten DEAL und OA2020.De (Nationaler Kontaktpunkt Open Access) erarbeite die Allianz-Initiative „Digitale Information“ Empfehlungen zu einer Reihe zentraler Themen, u. a. zum Publikationssystem, zu digitalen Werkzeugen und Datensammlungen, IT-Infrastrukturen, zu digital qualifiziertem Personal, zu Rechtsfragen und zur Wissenschaftspraxis. Dadurch sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der bestmöglichen Infrastruktur ausgestattet werden. "Publizieren um gelesen zu werden" - nicht umgekehrt - sei das Ziel des Projektes DEAL, das durch einen bundesweiten Konsortialvertrag den Zugang zu wissenschaftlicher Literatur nachhaltig verbessern soll.
Er sei zuversichtlich, dass dies bald gelingen werde, wenngleich für die Gestaltung des grundlegenden Wandels der Informationsinfrastruktur ein langer Atem notwendig sei.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Anna Barbara Kastelewicz (Violine) und Alina Pronina (Klavier), die Werke von Duke Ellington und George Gershwin zu Gehör brachten.

Anna Barbara Kastelewicz und Alina Pronina
Foto: 2018 / Katrin Neuhauser 

 

Verleihung 2017 an Dr. Claudia Fabian

Grußwort des Generaldirektors
Laudatio von Prof. Dr. Werner Suerbaum
Dank der Preisträgerin
BID-Pressemitteilung zur Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2017
Mitglieder der Jury 2017

Die Karl-Preusker-Medaille 2017 wurde am 29. September 2017 im Fürstensaal der Bayerischen Staatsbibliothek an die Leitende Bibliotheksdirektorin Dr. Claudia Fabian übergeben. Bibliothek und Information Deutschland würdigte in einem Festakt die großen Verdienste der Preisträgerin für die Erforschung und Sichtbarmachung des schriftlichen Kulturguts. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Werner Suerbaum.

Karl Benjamin Preusker hätte sich zu seiner Zeit am heutigen Ort der Preisverleihung sehr wohlgefühlt, räsonierte Generaldirektor Klaus Ceynowa in seiner Begrüßungsansprache vor ca. 150 geladenen Gästen. Die Schätze des Hauses der Öffentlichkeit nutzbar zu machen, "in usum publicum", so steht es in der Widmung im Rundbogen zum Marmorsaal am Ende des Treppenaufganges der Bayerischen Staatsbibliothek. Dies hätte Karl Benjamin Preusker gefallen und einen großen Anteil daran, dass dieser Leitgedanke auch heute noch tagtäglich in der Bayerischen Staatsbibliothek verwirklicht wird, hat Claudia Fabian.

Prof. Dr. Werner Suerbaum / Laudator
Foto: 2017, BID / HRSchulz

Bereits durch ihr Wirken in der Katalogabteilung und als Leiterin der Benutzungsdienste hat sie einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, Benutzer und Bestände einander näher zu bringen, so Prof. Dr. Suerbaum in seiner Laudatio. Er, der sie bereits als Studentin und Promovendin betreute und danach dem damaligen Generaldirektor zur Aufnahme in die Bibliotheksschule empfahl, kam durch das bilaterale "hybride Projekt" einer analog-digitalen Vergilausgabe vollends in den Genuss und Vorteil der Digitalisierungsstrategie der BSB, vorangetrieben und in diesem Fall auch umgesetzt von Claudia Fabian. Am Ende des "Pilotprojekts" stand eine Buchpublikation, das "Handbuch der illustrierten Vergilausgaben 1502-1840" und 4000 Vergil-Digitalisate, die fortan allen Benutzern der Bayerischen Staatsbibliothek weltweit zur Verfügung standen.


Im Alter vom Benutzer der BSB mehr zu ihrem Genießer geworden, gewannen die vielen von Claudia Fabian auf höchstem Niveau konzipierten Ausstellungen für den Laudator zunehmend an Bedeutung. Sie seien mit ihren bewundernswert detailreichen Katalogen nicht nur Dienst am kulturellen Erbe, sondern einfach auch Verführung zum Genießen. - Gelegenheit zum Besuch der aktuellen von Claudia Fabian konzipierten Ausstellung "Showcase", deren Katalog Generaldirektor Ceynowa in seinem Grußwort als einen der besten des Hauses bezeichnete, gab es vor und nach der Preisverleihung.


Durch ihre Mitgliedschaft und exponierte Amtsinhabe in einschlägigen nationalen und internationalen Gremien hat Claudia Fabian nach den Worten des Laudators ein bibliothekarisches Netzwerk aufgebaut, bei dem Zusammenarbeit an oberster Stelle steht, und das somit die hergebrachte Idee einer professoralen Gelehrsamkeit in Einsamkeit und Freiheit ablöst. Claudia Fabian habe nicht nur die Fähigkeit, neue Herausforderungen zu erkennen und sich ihnen persönlich zu stellen, sondern sie begeistere auch andere Menschen dafür, sie im Team zusammen zu meistern.


Die Preisträgerin bedankte sich in ihrer Rede bei den Verbänden, die die Strukturen und den Rahmen bereitstellten, um gerade solche nationale und auch internationale Netzwerke aufbauen zu können. Das Konsortium der europäischen Forschungsbibliotheken CERL habe ihre berufliche Entfaltung geprägt, auch LIBER und der Weltverband IFLA.

Dankesrede von Dr. Claudia Fabian
Foto: 2017, BID / HRSchulz

Karl Benjamnin Preusker war ein Vertreter des "Lesens für alle", ein Promotor eines breit angelegten Bibliothekskonzeptes, der die ganz auf die Wissenschaft fokussierte Gelehrten-Bibliothek ablehnte, dem aber die Befähigung zum eigenständigen Denken ein wichtiges Anliegen war. "Citizen science" hätte ihm gefallen. Die Öffnung auch der wissenschaftlichen Bibliothek in die Gesellschaft hinein und über das Internet auch weltweit, so Fabian, würde er positiv konstatieren.


Die Arbeit am Regelwerk, das Einhalten von Regeln, dieses wichtige Kerngeschäft des Bibliohekarischen, das Preusker im Kleingedruckten abhandelte, sei Claudia Fabians eigentliche Leidenschaft seit Beginn ihres Berufslebens. Wenn der bibliothekarische Betrieb reibungslos laufe, zeige sich, dass die Regeln funktionieren.


Damit es läuft, sei die berufliche Gemeinschaft von eminenter Bedeutung, so Fabian. Sie ergänzt was der einzelne nicht vermag. Dass der einzelne sich mit seinen persönlichen Begabungen in ein Ganzes einbringen könne, habe sie an den verschiedenen Stationen ihres Lebens und in den vielen Jahren in der Bibliothek immer wieder erfahren. Die inspirierende Umgebung der Bayerischen Staatsbibliothek, ihre Bestände und die kollegiale Gemeinschaft seien immer Ansporn für ihr Tun gewesen. In diesem "glückhaften Netzwerk" sei Sichtbarmachung der Bestände kein Verdienst, sondern eine Selbstverständlichkeit gewesen. Denn nur wenn die Bibliothek ihre Bedeutung für ihre Zeit wahrnimmt, dann bleibt sie lebendig, so Fabian.

Chor der Bayerischen Staatsbibliotohek
Foto: 2017, BID / HRSchulz 


Der Chor der Staatsbibliothek begleitete die Veranstaltung mit Werken von Jacobus Gallus (1550-1591) und Pierre Attaignant (um 1530). Einen besonderen Akzent setzte ein Chorstück von Klaus Haller, einem ehemaligen Mitarbeiter der Bayerischen Staatsbibliothek. Dieser verfasste 1987 eine Repertorien-Etüde für Bibliothekare basierend auf den Signaturen der BSB, die nach 30 Jahren beim heutigen Festakt erneut zur Aufführung kam.

Verleihung 2016 an Thomas Beyer

Fotos von der Preisverleihung 2016
Wortlaut der Laudatio
Wortlaut der Dankesrede
BID-Pressemitteilung zur Preisverleihung 2016

Mitglieder der Jury 2016


Die Karl-Preusker-Medaille 2016 wurde an Thomas Beyer, den Bürgermeister der Hansestadt Wismar und Vorsitzenden des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern im dbv, verliehen. Bibliothek und Information Deutschland würdigt damit einen herausragenden Kommunalpolitiker, der sich unter schwierigen Rahmenbedingungen nachdrücklich und erfolgreich für zukunftsfähige Bibliotheken und die Entwicklung einer modernen Bibliotheksinfrastruktur in Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt hat.

Der Festakt zur Verleihung der Medaille fand am 1. November in der Stadtbibliothek Wismar statt. Die Laudatio hielt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig.

Foto: Anne Karsten

Die Ministerin, die Thomas Beyer bereits aus ihrer Zeit als Kommunalpolitikerin kennt, wunderte sich in ihrer Laudatio, dass mit Thomas Beyer der erste Kommunalpolitiker überhaupt mit der Medaille ausgezeichnet wird, da es gerade in den Kommunen viele engagierte Fürsprecher für Bibliotheken gäbe.
Ein herausragender Vertreter sei Thomas Beyer, der mit seinem Bibliotheksentwicklungskonzept und mit dem Onleihe-Verbund, dem mittlerweile mehr als 30 Bibliotheken angehören, eine zukunftsgerichtete Bibliotheksinfrastruktur für Mecklenburg-Vorpommern auf den Weg gebracht habe.
Ein Engagement für Bibliotheken und Bücher sei immer auch ein Engagement für soziale Gerechtigkeit und ein Engagement für Kinder, so die Ministerin.
Als Lesepate der Stiftung Lesen und als Begründer der Sommer-Leseclubs in Mecklenburg-Vorpommern habe sich Thomas Beyer in besonderer Weise für Kinder eingesetzt, wofür ihm die Ministerin persönlich dankte. Sie schätze ihn, "weil das, was er sagt, Hand und Fuß hat, Und weil er das, was er sagt, auch tut."

Foto: Anne Karsten 

BID-Präsident Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen betonte bei der Übergabe der Medaille unter welch schwierigen Rahmenbedingungen sich Thomas Beyer für den Erhalt kommunaler Bibliotheken eingesetzt habe. Auch die länderübergreifende Zusammenarbeit mit den Bibliotheken Westpommerns in Polen habe er wiederbelebt.

Sichtlich gerührt bedankte sich Thomas Beyer für die Auszeichnung, die eigentlich dem gesamten Landesverband gelte, der mit ihm in den letzten Jahren sehr engagiert zusammengearbeitet hatte. Er erinnerte an die vielen intensiven Sitzungen und Gespräche beim Ringen um den Bibliotheksentwicklungsplan und um das Konzept des Onleihe-Verbundes. Auch bei der Frage, wie in einem Flächenland ein Netz von Biblotheken erhalten werden könne, sei man unbewußt dem Gedankengut Preuskers verpflichtet gewesen, der sich zu seiner Zeit für die Volksbildung eingesetzt hatte. Bibliotheken seien für Thomas Beyer auch heute und auch als reale Orte Kristallisationspunkte für Bildung - und zwar Bildung für alle mit nierigschwelligem Angebot.

Dass dieses Konzept in der ebenfalls im Zeughaus beheimateten Stadtbibliothek Wismar bereits verwirklicht ist, wurde beim Bibliotheksrundgang mit Bibliotheksleiterin Uta Mach deutlich. In den Konferenzsälen des beeindruckenden historischen Dachgeschosses des Zeughauses fanden gerade Konversationskurse mit Geflüchteten statt. Deren Wunsch nach mehr Gelegenheit zum Sprechtraining war die Bibliothek ohne Zögern nachgekommen.

Der Festakt im historischen Veranstaltungssaal des Zeughauses wurde musikalisch begleitet von drei Musikerinnen der städtischen Musikschule, die Werke aus dem Barock von Giuseppe Sammartini und Giovanni Battista Fontana für Blockflöte und Cembalo zu Gehör brachten.

 Foto: Anne Karsten

Verleihung 2015 an Prof. Dr. Konrad Umlauf

Fotos von der Preisverleihung 2015
Grußwort von Ralph Deifel

Laudatio von Prof. em. Birgit Dankert
Dankesrede von Prof. Dr. Konrad Umlauf
BID-Pressemitteilung zur Preisverleihung 2015
Mitglieder der Jury 2015


Bei einem Festakt im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin wurde Prof. Dr. Konrad Umlauf am 30. Oktober mit der Karl-Preusker-Medaille ausgezeichnet. Bibliothek und Information Deutschland würdigte damit seine herausragenden Leistungen als Bibliothekswissenschaftler und -praktiker. Die Laudatio hielt Prof. em. Birgit Dankert.

Foto: Katrin Neuhauser

Die Laudatorin betonte, dass Professor Umlauf in seinem Handeln in und für Bibliotheken von einer kulturpolitischen Programmatik geleitet ist. Er versteht die öffentliche Bibliothek als “Instrument des mündigen Bürgers”, die durch ein professionelles Bestandsmanagement und die Evaluierbarkeit ihrer Qualität den Erwartungen und Wünschen ihrer Benutzer Rechnung tragen muss.
Umlauf selbst erprobte dieses Konzept zunächst an der Amerika-Gedenkbibliothek und dann, während seines “schwäbischen Jahrzehnts” (1983-1992), als Leiter der Stadtbibliotheken Ludwigsburg und Heilbronn. Seit seiner Berufung zum Universitätsprofessor 1992 wirkte er als erfolgreicher Hochschullehrer und Fachautor von mehr als 400 Publikationen. Er sei, so Dankert, für die Bibliothekarinnen und Bibliothekare  in der Praxis, wie für die Wissenschaft und den bibliothekarischen Zukunftsdiskurs immer der “verlässliche Pionier”, der “bibliothekarische Frontmann” gewesen.

Professor Umlauf zeichnete in seiner Dankesrede ein kühnes Zukunftsbild der Bibliothek: Sie werde als Einrichtung ihre feste räumliche Gefügtheit verlieren, sich in einem “fluiden” räumlichen Zusammenhang mit anderen Institutionen wiederfinden. Auch der bibliothekarische Beruf werde seine Bindung an die Bibliothek zunehmend verlieren. Während früher die Dienstleistungen der Bibliothekare im Vordergrund standen, werden es in Zukunft die Aktivitäten der Nutzer sein. Diese wiederum werden ebenso voneinander lernen und leihen wie sie dies bisher in Bezug auf die Bibliothek taten. “Die Medien der eigenen Bibliothek”, so Umlauf, “werden keine dominante Rolle spielen, weil Medien noch stärker als heute omnipräsent und frei zugänglich sein werden. Benutzer werden mehr Medien untereinander leihen und tauschen als aus der Bibliothek beziehen.” Die Einhaltung ethischer Grundsätze werde in diesem Szenario an Bedeutung gewinnen.

Ralph Deifel, Vorstandsmitglied des Deutschen Bibliotheksverbandes, stellte in seinem Grußwort neue Entwicklungen der Kampagne “Netzwerk Bibliothek” des dbv vor. Auf der Deutschlandkarte der Kampagne sind mittlerweile 520 Bibliotheken mit digitalen Angeboten verzeichnet. Nutzerinnen und Nutzer können sich so ein Bild von den digitalen Services ihrer Bibliotheken vor Ort und überregional machen. Deifel zog eine positive Bilanz der diesjährigen Aktionswoche, die mit der Preisverleihung zu Ende ging.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Anna Barbara Kastelewicz (Violine) und Uwe Streibel (Klavier), die Werke aus der Zeit des Barock zu Gehör brachten.

Verleihung 2014 an Thomas Feibel

Fotos von der Preisverleihung 2014
BID-Pressemitteilung zur Preisverleihung 2014

Die Karl-Preusker-Medaille 2014 wurde am 31. Oktober in der Bibliothek am Luisenbad in Berlin an den Medienexperten Thomas Feibel verliehen. In einem Festakt würdigte BID die Leistungen Feibels und sein Engagement für Bibliotheken auf dem Gebiet elektronischer Kindermedien. Die Laudatio hielt BID-Vizepräsidentin Kirsten Marschall.

Die Laudatorin betonte, dass Thomas Feibel als erster das Kriterium der Qualität in die Diskussion um Computersoftware für Kinder in Bibliotheken eingebracht habe. Feibels Engagement sei es zu verdanken, dass Computerspiele heute auf breiter Basis, aber dennoch mit hohem Qualitätsanspruch in Bibliotheken angeboten werden.

Foto: Jan Michalko

Thomas Feibel eröffnete in seiner launigen und  sehr persönlichen Rede, dass er eigentlich gelernter Bibliotheksassistent ist und seine Ausbildungsbibliothek ihm zwar den Zugang zur Literatur und Bildung eröffnet habe, nicht aber den zum Beruf.
Im Hinblick auf die neuen Medien forderte Feibel eine neue Lesefähigkeit, oder besser, je nach Medium, verschiedene Lesefähigkeiten für Kinder und Jugendliche. Dies sei um so wichtiger als die Privatsphäre der jungen Mediennutzer im Netz immer weniger geschützt sei und sie beispielsweise oft gar nicht mehr selbst bestimmen könnten, wann sie ein Computerspiel spielen möchten.
Für Bibliotheken sei Partizipation ein wichtiger neuer Trend. Kinder und Jugendliche sollten befähigt werden, selbst kreativ zu werden und Dinge selbst anzupacken in den Bibliotheken. Feibel ermunterte sogar die Bibliotheken, ihre Bücher selbst zu produzieren.

In einem Grußwort stellte der dbv-Vorsitzende Dr. Frank Simon-Ritz die neue Kampagne "Netzwerk Bibliothek" des dbv vor. Sie soll dazu beitragen, dass Bibliotheken ihre digitalen Angebote sichtbar machen und auf einer Plattform präsentieren. Innerhalb weniger Tage seien bereits 2234 Veranstaltungen angemeldet worden.
Simon-Ritz betonte, dass Bibliotheken heute beliebt seien wie nie zuvor, da sie einerseits den Weg in die digitale Welt eröffneten, andererseits aber auch zunehmend als attraktive Räume für Kommunikation und Freizeitgestaltung wahrgenommen werden.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von dem Pianisten Johannes Kersthold, der neben eigenen Kompositionen eine Kostprobe elektroakustischer Musik auf dem iPad gab.

Verleihung 2013 an Prof. Dr. Dr. h. c. Bernhard Fabian

Fotos von der Preisverleihung 2013
BID-Pressemitteilung zur Preisverleihung 2013

In einem Festakt an der Universitäts- und Landesbibliothek Münster überreichte BID-Präsident Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen dem Anglisten und Buchwissenschaftler Professor Dr. Dr. h. c. Bernhard Fabian die diesjährige Karl-Preusker-Medaille. Mit seiner wegweisenden Studie "Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung" hatte der Preisträger in den achtziger Jahren einen Paradigmenwechsel in der Literaturversorgung der Geisteswissenschaften hervorgerufen.
Die Veranstaltung bildete zugleich den Abschluss der diesjährigen Aktionswoche "Treffpunkt Bibliothek" des Deutschen Bibliotheksverbandes. Das Ensemble con moto brachte Musikliteratur aus den Beständen der Bibliothek zu Gehör.

Während man bis in die achtziger Jahre hinein die Literaturversorgung nachfrageorientiert durch eine optimierte Fernleihe zu verbessern versucht hatte, machte Fabian die Notwendigkeit eines möglichst breiten Literaturangebots zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen, so Dr. Michael Knoche in seiner Laudatio. Dem "glücklichen Zufall" bei der Suche nach Literatur sollte durch ein umfangreiches Angebot an Literatur eine Chance gegeben werden. Verwirklicht wurde dieses Konzept durch die "Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke", in der sechs Bibliotheken seit 1989 im kooperativen Verbund das gesamte deutschsprachige gedruckte Schrifttum aus der Zeit von 1450 bis heute sammeln und erschließen.

Foto: Peter Grewer

Knoche betonte ferner, dass Fabian frühzeitig die Chancen der Datenverarbeitung erkannt und als einer der ersten ein Konzept der Forschungsbibliothek entworfen habe. Mit dem "Handbuch der historischen Buchbestände" habe er erstmals die Sammlungen in den Bibliotheken beschrieben, was Kataloge allein nicht leisten können. Dadurch habe Fabian den Bibliotheken ein Bewusstsein für den Wert ihrer historischen Bestände gegeben.

Der Preisträger bekannte in seiner Dankesrede, dass er gewissermaßen durch Zufall über eine Arbeit zur Rezeption der englischen Literatur des 18. Jahrhunderts in Deutschland zur Frage nach den Buchbeständen in deutschen Bibliotheken kam. Er skizzierte die Anfänge des Handbuches und seine Entwicklung in den neunziger Jahren mit der Einbeziehung der osteuropäischen Länder.

Fabian stellte Preusker als einen Pionier des Bibliothekswesens vor, der ein ganzes Spektrum an Bibliothekstypen entworfen habe, das von der Volksbibliothek bis zur Gelehrtenbibliothek reichte. Im Zeitalter der Digitalisierung gebe es eine solche Binnendifferenzierung der Lesekultur nicht mehr, alles sei jederzeit für alle verfügbar. Um so mehr müssten die Bibliotheken heute Hilfestellung beim Zurechtfinden in der digitalen Textkultur leisten.

Abschließend dankte der Preisträger den Bibliotheken und Regionalredaktionen, seinen zahlreichen Mitarbeitern und der Volkswagenstiftung für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahrzehnten.

Zum Ende der Veranstaltung zog der Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes, Dr. Frank Simon-Ritz, eine positive Bilanz der diesjährigen Aktionswoche "Treffpunkt Bibliothek", die mit 5000 Veranstaltungen bundesweit ca. 500 000 Besucher anzog.

Einen weiteren Höhepunkt bildete das musikalische Programm: Das Ensemble con moto unter der Leitung des Bibliothekars Dr. Burkhard Rosenberger spielte eine Sonate für Traversflöte, Violine und Basso continuo in G-Dur von Pitzholdt (um 1750).

Verleihung 2012 an Ranga Yogeshwar

Fotos von der Preisverleihung 2012
BID-Pressemitteilung zur Preisverleihung 2012

Bibliothek und Information Deutschland zeichnete den Physiker und Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar in der Stadtbibliothek Köln mit der Karl-Preusker-Medaille aus. BID würdigt damit Yogeshwars besonderes Engagement für Bibliotheken und Informationseinrichtungen. „Ranga Yogeshwar hat sich über viele Jahre hinweg für Bibliotheken stark gemacht und immer wieder auf eindrucksvolle Weise verdeutlicht, warum eine Gesellschaft Bibliotheken braucht“, so BID-Präsident Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen bei der Übergabe der Medaille.

Foto: Dr. Gabriele Ewenz 

Die Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, Dr. Elisabeth Niggemann, betonte in ihrer Laudatio, dass Bibliotheken für Yogeshwar den Kontrapunkt zu einer kommerzialisierten Welt darstellten, sie seien nach seinen eigenen Worten „der Beweis, dass es in einer Gesellschaft um mehr geht als um Sonderangebote und Schnäppchenpreise.“ Angesichts der zunehmenden Schwierigkeiten der Bibliotheken, E-books von den Verlagen überhaupt für die Ausleihe erwerben zu können, bekräftigte Niggemann die Notwendigkeit des Engagements von Personen wie Yogeshwar. Dieser unterstrich in einem Interview anlässlich der Preisverleihung, dass Bibliotheken in der Lage sein müssten, bestimmte Inhalte kostenlos für ihre Nutzer zur Verfügung zu stellen, auch am eigenen Bildschirm zu hause.

Der Preisträger beleuchtete in seiner Dankesrede kaleidoskopartig die Veränderung der Welt des Wissens seit Gutenberg, angereichert mit seinen persönlichen Erfahrungen aus Indien als Enkel des berühmten Bibliothekswissenschaftlers Ranganathan. Er sprach von Licht als Indikator für Bildung und Kultur, von der Bedeutung des Mobiltelefons für die Verbesserung der Situation der Bauern in Indien und von der „Bibliothek in der Hosentasche“, die durchaus in Konkurrenz zur realen Bibliothek zu sehen sei. Nicht die klassischen Verlage seien dabei auf lange Sicht die Opponenten der Bibliotheken, sondern global agierende Distributoren wie Google, Amazon oder Facebook, deren Marktpolitik kaum zu durchschauen sei. Bibliotheken seien auf lange Sicht ein Garant für Open Access, aber nur, wenn sie vollen Zugriff auf alle Medien erhielten.

Die Preisverleihung war zugleich Abschlussveranstaltung der Kampagne „Treffpunkt Bibliothek“ des Deutschen Bibliotheksverbandes. Die dbv-Vorsitzende Monika Ziller zog in ihrem Grußwort kurz Bilanz der sehr erfolgreichen bundesweiten Aktionswoche zum Thema „Horizonte“: „Mit Lesungen, Ausstellungen, Workshops, Events, Bibliotheksnächten und vielen weiteren Aktionen beteiligen sich deutschlandweit über 1.100 öffentliche, 60 wissenschaftliche sowie 43 Spezial- und sonstige Bibliotheken an der Kampagne, um Horizonte zu erweitern, Lücken zu schließen und neue Wege zu eröffnen.“ Die finanzielle Lage der Bibliotheken, so Ziller, sei nach wie vor unbefriedigend. Der „Bericht zur Lage der Bibliotheken“ zeige, dass Bibliotheken in vielen Landesteilen durch neue Sparauflagen weiterhin unter Druck stünden.

Verleihung 2011 an Bundespräsident a. D. Horst Köhler

Fotos von der Preisverleihung 2011
Dankesrede von Bundespräsident a. D. Horst Köhler
BID-Pressemitteilung zur Preisverleihung 2011

 Mit der Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2011 würdigt die BID die herausragenden Verdienste des ehemaligen Staatsoberhauptes um das Bibliotheks- und Informationswesen. Auf einer Festveranstaltung im sächsischen Großenhain nahm die Frau des Bundespräsidenten a. D., Eva Luise Köhler, die Auszeichnung entgegen, da ihr Mann seine Teilnahme aus persönlichen Gründen absagen musste. Die Veranstaltung bildete zugleich den Abschluss der diesjährigen Kampagne „Treffpunkt Bibliothek“ des Deutschen Bibliotheksverbandes.

Foto: Stadt Großenhain 

Vor Beginn der Festveranstaltung im Kulturschloss von Großenhain besuchte Frau Köhler die Karl-Preusker-Bücherei, die heute in der ehemaligen Wohn- und Arbeitsstätte Preuskers untergebracht ist. Frau Köhler zeigte dabei großes Interesse an Fragen der Leseförderung und des Internets. Die Bibliothekarinnen Kathrin Schäfer und Anja Hofmann führten sie durch die historischen, jahreszeitlich geschmückten Räume der Bibliothek und den lauschigen Lesegarten und erläuterten die Vielfalt traditioneller und moderner Bibliotheksangebote. In Preuskers „Guter Stube“ trug sich Frau Köhler in das Goldene Buch der Stadt Großenhain ein.

Im Kulturschloss überreichte Frau Lux die Karl-Preusker-Medaille stellvertretend an Frau Köhler und betonte in ihrer Laudatio, dass noch nie ein Staatsoberhaupt in Deutschland „den Bibliotheken so viel Respekt und Unterstützung“ hat „teilwerden lassen“, wie es der Bundespräsident a. D. Horst Köhler getan hat. So habe er in seiner programmatischen Weimarer Rede anlässlich der Wiedereröffnung der Herzogin-Anna-Amalia Bibliothek am 24.10.2007 Bibliotheken als „entscheidende Bildungsorte“ und „unverzichtbares Fundamten unserer Wissens- und Informationsgesellschaft“ bezeichnet und zugleich auf deren mangelnde strategische Verankerung in der Bildungsinfrastruktur hingewiesen. Er habe mit dieser Rede nicht zuletzt die Bibliotheksgesetzgebung in den Bundesländern angestoßen. Durch Besuche in Bibliotheken, Gespräche mit Bibliothekaren, Benefizveranstaltungen und die Übernahme von Schirmherrschaften für die Leipziger Kongresse und die Kampagne „Treffpunkt Bibliothek“ habe er einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der politischen und gesellschaftlichen Wertschätzung für Bibliotheken geleistet.

Bundespräsident a. D. Horst Köhler betonte in der von seiner Frau vorgetragenen Dankesrede in Anspielung an den Brand der Herzogin-Anna-Amalia Bibliothek, dass wir den „Wert von Bibliotheken nicht erst dann erkennen“ dürfen, „wenn sie verloren zu gehen drohen.“ „Wir sollten vielmehr das Bibliothekswesen in Deutschland pflegen und stärken. Ein dichtes Netz gut ausgestatteter Bibliotheken ist für unsere Kulturnation unverzichtbar … Bibliotheken machen uns reicher, in jeder Hinsicht.“ Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Mittelknappheit in Bund, Ländern und Gemeinden resümierte der Bundespräsident a. D. „Es gibt kaum eine bessere Investition in die Zukunft als attraktive, gut ausgestattete Bibliotheken auf der Höhe ihrer Zeit.“

Zusammen mit der Medaille wurde auch eine Urkunde überreicht. Das Etui und die Urkundenmappe in dunkelblauem Leder fertigte der Hamburger Etuimachermeister Andreas Ludwig, ein Nachfahren Karl Benjamin Preuskers, in Handarbeit an.

Staatsministerin Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer, vertreten durch den Generaldirektor der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Prof. Dr. Bürger, verortete in ihrer Festrede das Engagement Karl Benjamin Preuskers im historischen Kontext und erläuterte die Besonderheit der Gründung einer jedermann zugänglichen öffentlichen Bürgerbibliothek im 19. Jahrhundert.

Zum Abschluss wurde der Blick wieder auf die Gegenwart gerichtet: Die dbv-Vorsitzende Monika Ziller zog Bilanz der diesjährigen Kampagne „Treffpunkt Bibliothek“ des dbv, die unter dem Motto „Schätze“ stand und mit der Veranstaltung in Großenhain zu Ende ging. Mit 5.000 Veranstaltungen, 20.000 Stunden Programm und 500.000 Bibliotheksbenutzern war die bundesweite Aktionswoche auch dieses Jahr wieder ein voller Erfolg. Angesichts der unbefriedigenden finanziellen Entwicklung in den Bibliotheken, die sich im kürzlich veröffentlichten „Bericht zur Lage der Bibliotheken“ widerspiegelt, forderte Frau Ziller eine bundesweite Aufstockung der Mittel für Bibliotheken und Informationseinrichtungen.

Die Festveranstaltung mit ca. 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wurde musikalisch umrahmt vom Ilka Kraske Trio. Der Schauspieler Friedrich Wilhelm Junge rezitierte abschließend den „Vorspruch des Mendele“ aus dem Werk des jiddischen Autors Mendele Moicher Sforim.