In der Geschäftsstelle der BID gibt es mit dem 1. April einen personellen Wechsel, der hier ausführlich gewürdigt werden soll. Mit fast 70 !!! Jahren zieht sich der langjährige Geschäftsführer, Helmut Rösner, nun wirklich in den mehr als verdienten Ruhestand zurück; ihm folgt in dieser Funktion Frau Dr. Monika Braß, die damit die Stafette unseres Dachverbandes weiter tragen und diesen zusammen mit dem Vorstand und der Präsidentin fortentwickeln wird.
Doch, wenn jemand wie Helmut Rösner deutlich mehr als die Hälfte seiner bisherigen Lebenszeit für die deutschen Bibliotheken zugebracht hat, dann ist ein Blick auf diesen Lebensweg sicherlich angebracht. Und ich verbinde hiermit auch eine Würdigung für einen wichtigen deutschen Bibliothekar, der viel für die deutschen Bibliotheken getan hat, ohne dass er ständig im Vordergrund des Verbandsgeschehens stand.
Als Helmut Rösner im Jahr 2003 das Deutsche Bibliotheksinstitut „zwangsweise“ verließ, weil sich sein Arbeitsplatz buchstäblich in Un-wohlgefallen bzw. Luft aufgelöst hatte, wollte er sich noch nicht völlig ins Privatleben oder gar nur auf sein Altenteil als Pensionär zurückziehen. Der Vollblutbibliothekar und langjährige Redakteur war die geradezu ideale Besetzung für die Position des Geschäftsführers der damaligen BDB, die er nun fast sechs Jahre ausfüllte. Und mit dieser Aufgabe begann für Helmut Rösner ein echter „Un-ruhestand“.
Die vor knapp 20 Jahren gegründete Dachorganisation der deutschen Bibliotheks- und Informationsverbände hatte in den 90er Jahren an Profil und auch an Aufgaben gewonnen, so dass für die weitere Entwicklung die organisierende und koordinierende Hand eines Geschäftsführers nötig geworden war. Als Helmut Rösner mit dieser – aus finanziellen Gründen immer noch als „Nebenamt“ definierten und auch so vergüteten – Aufgabe anfing, hatte er nicht viel mehr als ein paar Akten, die davor als „Wanderpokale“ von Sprecher zu Sprecherin unseres Dachverbandes gewechselt hatten.
Helmut Rösner richtete als erstes unsere Geschäftsstelle in Berlin ein, die sich bald zur Anlaufstelle für viele Fragen zu deutschen Bibliotheken und viele Anliegen im Bibliotheks- und Informationssektor, insbesondere auch für Menschen außerhalb unserer Profession, „mauserte“. Er war seitdem die personifizierte Schnittstelle und der kontinuierliche Dreh- und Angelpunkt für die BID zu ihren Mitgliedern und zu den verschiedensten Partnerorganisationen. Bibliothekspolitisch waren seine großen Anliegen, denen er sich immer verpflichtet fühlte, das Menschenrecht auf Freien Zugang zur Information und auf das Freie Wort. Das Urheberrecht war ebenfalls ein Thema, in dessen Diskussion er sich aktiv einmischte, auch auf der internationalen Bühne bei EBLIDA.
Das Publizieren selber hat ihn immer gereizt, wie er selber von sich sagt, und daher ist es nur konsequent, dass er nicht nur über Jahrzehnte die Redaktion des BIBLIOTHEKSDIENST innehatte, sondern auch die Publikationsabteilung des DBI leitete. Dabei schlug sein Herz nicht nur für Bibliotheken, sondern auch – und vielleicht vor allem – für die Musik. Schon als Schüler erfuhr er eine musikalische Ausbildung am Mozarteum in Salzburg! Eine Adresse, die honoriger nicht sein kann. Dass er – mit musikbibliothekarischem Zusatzexamen versehen - seine ersten Stationen in der Bibliothekswelt dann in Musikbibliotheken (München und Frankfurt/M.) hatte – wen wundert’s. Auch für die ekz war er einige Zeit tätig, bevor es ihn – auch wegen des Kulturangebotes – nach Berlin zog, wo er seitdem mit hohem persönlichem Einsatz, aber immer mit größter Bescheidenheit, wirkte.
Jetzt kann er sich noch mehr seinen außerhalb der Bibliotheken liegenden Interessen widmen und mit seiner Frau und Familie sein Leben richtig genießen.
Seine Position übernimmt nun ab dem 1. April Frau Dr. Monika Braß, die als Bibliotheksrätin an der Württembergischen Landesbibliothek zurzeit aus familiären Gründen beurlaubt ist und seit 2006 in Berlin lebt. Ihre beruflichen Stationen in der Bibliothekswelt führten sie nach einem Studium der Anglistik und Germanistik nach Bonn und Köln (Referendariat) sowie nach Weimar und dann nach Stuttgart.
Ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der BID an der Schnittstelle zwischen Bibliothekssektor und Politik betrachtet Monika Braß als spannende Herausforderung, sie sieht „in der Verbandsarbeit eine gute Möglichkeit, die Rolle der Bibliotheken in der Wissensgesellschaft zu stärken und deren Interessen gegenüber Politik und Gesellschaft zu vertreten.“
Ich nutze diese Gelegenheit, um Herrn Rösner für all sein Engagement zu danken und Frau Dr. Braß in dieser Funktion herzlich zu begrüßen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihr!
Barbara Lison, Präsidentin der BID